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Risiken bewerten, so wird’s gemacht!

Erstellt von Kevin Olleroch am 04.06.19 11:58

Um eine Maschine in Europa vertreiben zu dürfen, müssen viele Kriterien eingehalten werden. Zurecht, denn am Ende des Tages geht es neben Effizienzgewinnen, Produktivität und dem positiven ROI eben auch um die Gewährleistung der Sicherheit. Das dieses Unterfangen nicht immer ganz einfach ist, wissen wir – mit dem Hazard Rating Numbers stellen wir Ihnen ein Verfahren zum Bewerten der Risiken vor.

Risikobewertung leicht gemacht

Seit der Veröffentlichung der ersten Maschinenrichtlinie am 14. Juni 1989 (also vor fast genau 30 Jahren) hat sich einiges getan. Der Punkt „Sicherheit von Anlagen und Maschinen“ bekommt zunehmend eine größere Gewichtung auf dem Markt, was generell eine schöne Veränderung bedeutet. Jedoch ist das Ziel hier noch längst nicht erreicht. Wir sehen einen sehr langen und schleichenden Prozess, der sich jedoch in die richtige Richtung entwickelt. Für viele Unternehmer ist dieser Aspekt nichts Neues, ob er nun aus Überzeugung eine sichere Maschine auf dem Markt bereitstellen möchte oder eben doch, weil der Kundendruck so groß ist, dass man es machen muss.

Insgesamt muss man aber auch ehrlich anerkennen, dass das Thema einem nicht ganz einfach gemacht wird. Die Maschinenrichtlinie wurde zwar seit der ersten Veröffentlichung mehrfach überarbeitet und erneuert, erklärt aber auch nicht im Detail, wie vorzugehen ist. Sie stellt eher den Rechtsrahmen für die Konstruktion von sicheren Maschinen dar, an dem sich Konstrukteure und Hersteller orientieren können. Wie die Minimierung der Risiken zu bewerkstelligen ist, lässt sie offen. Dafür gibt es Normen, wie bspw. die EN ISO 12100:2010 Sicherheit von Maschinen - Allgemeine Gestaltungsleitsätze - Risikobeurteilung und Risikominderung.

Die Norm EN ISO 12100

Die EN ISO 12100 stellt die „Mutternorm“ dar, wenn es um die Themen Risikobeurteilung und Risikominimierung geht. Viele Software-Lösungen lehnen sich an dem Inhalt und der Abfolge dieser Norm an und führen den Anwender sukzessive durch die Risikobeurteilung durch. Das nachfolgende Diagramm zeigt den iterativen Prozess der Risikobeurteilung nach der EN ISO 12100:2010.

 iterativer Prozess der Risikobeurteilung

Am Anfang geht es um die Bestimmung der Grenzen. Punkt 2 weißt klar aus, dass die Gefährdungen identifiziert werden müssen. Dies sind beides sehr individuelle Punkte, bei denen eine individuelle Beurteilung der Maschine oder Anlage von Nöten ist. Auf den 3. Punkt möchten wir aber an dieser Stelle genauer eingehen, denn wenn die ersten beiden Schritte abgeschlossen sind, taucht immer wieder die Frage auf „Wie schätze ich denn nun das Risiko richtig ein?“ 

Die Lösung: „Hazard Rating Numbers“

Hazard Rating Numbers ist ein international anerkanntes Risikobewertungsverfahren, welches weit verbreitet ist und eine enorme Hilfe darstellt, um die Risiken an Gefahrenstellen richtig zu bewerten. Die EN ISO 12100 schreibt beispielsweise drei Kriterien vor, die bei einem Bewertungsverfahren beachtet werden müssen:

  • Das Risiko
  • Das Schadensausmaß
  • Die Eintrittswahrscheinlichkeit

Das Hazard Rating Numbers-Verfahren geht darüber hinaus und bestimmt eine quantitative Risikohöhe, an der man nach Einstufung klar abschätzen kann, ob das Risiko vernachlässigbar ist oder ob man die Gefahr durch risikominimierende Maßnahmen noch reduzieren muss. Unser Beratungsbüro nutzt diese Methodik ebenfalls um die Risiken fachgerecht zu bewerten und anhand der ermittelten Summe eine Einschätzung zu treffen.

Vier Fragen, eine Antwort

Aber wie funktioniert das Hazard Rating Numbers-Verfahren nun genau? Im Grunde ist es ganz simpel. Man gibt eine Gefahreneinstufung zu vier verschiedenen Fragen an:

  • Schwere der Verletzung (S)?
  • Häufigkeit der Gefährdungsexposition (F)?
  • Anzahl der Personen, die der Gefahr ausgesetzt sind (N)?
  • Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Gefährdung (O)?

Die Antwortmöglichkeiten sind vordefiniert und mit einem entsprechenden Parameter versehen. Aufgrund dieser Entscheidungskriterien wird die Gefahrenhöhe nach folgender Formel quantifiziert: Risiko = S · F · N · O

Das bestmögliche Ergebnis ist eine 0 für ein sehr geringes Risiko, jedoch ist die Bandbreite sehr groß und geht bis zu einem Höchstwert von 13.500. Das dieser Wert eine Minimierung des Risikos benötigt, versteht sich von selbst. Im nachfolgenden befindet sich die Übersicht, wie der ermittelte Risikowert zu interpretieren ist:

0 bis 5 Vernachlässigbar – verbleibendes Risiko ist akzeptabel
6 bis 50 Gering, jedoch vorhanden - Risiko sollte weiter vermindert werden, wenn möglich
51 bis 500 Hoch - Risiko muss vermindert werden
> 500 Unakzeptabel - Risiko muss in jedem Fall vermindert werden

Mit Übersicht zum Ziel

Die Risikobeurteilung ist abgeschlossen, wenn letztendlich alle Gefahrenstellen durch risikominimierende Maßnahmen einen Wert von 0 bis 50 erreicht haben – besser noch von 0 bis 5 – sodass alle Gefahrenstellen als „hinreichend minimiert“ eingestuft werden können. Dieses Unterfangen kann sich gerade bei komplexeren Anlagen als sehr schwierig und unübersichtlich erweisen, besonders wenn man mit Word und Excel große „Harakiri-Dateien“ erstellt. Eine stringente und übersichtliche Abarbeitung der Gefahrenstellen ist daher unsere klare Empfehlung – im besten Fall durch Softwareunterstützung.

Sie wollen sich selbst einen Eindruck von dem Hazard Rating Numbers-Verfahren machen? Dann Nutzen Sie doch die Testversion unserer Software CE-CON Safety hierfür. Der unten stehende Screenshot zeigt beispielsweise die Risikobeurteilung mit der Gefahr „Quetschen“ an der Führungsschiene unserer Demo-Fräsmaschine.
 CE-CON Safety Software

Mit CE-CON Safety können Sie einfach und intuitiv Ihre Maschinen abbilden und die Risikobeurteilung durchführen. Durch den modularen Aufbau und das Erstellen von Vorlagen sparen Sie Zeit und können immer wieder auf Ihrer getätigten Arbeit aufbauen. Darüber hinaus fördert unsere Cloud-Software noch das standortübergreifende Arbeiten.

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Themen: Risikobeurteilung, Technische Dokumentation, Software

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